zurück

Liegt hier die Aufgabe des Künstlers? Wir nehmen nicht wahr, wir sehen nicht hin, wir haben uns gewöhnt, im allgemeinen und an das Allgemeine. Aus welchem Grund sonst sollten Maler aller Zeiten stets Tische, Stühle, Bäume, Berge, Hühner oder nackte Frauen abgebildet haben.
Dieses Wahrnehmen und „ In den Blick nehmen “ ist Ausgangspunkt aller künstlerischen Arbeit. Wir alle leben ja, bekannter Weise, in einer Zeit der wild gewordenen und immer wilder werdenden Beschleunigung.
Aber sicher ist auch, je mehr wir beschleunigen ( und selbst beschleunigt werden) desto weniger nehmen wir „Wahr“.
Die Qualität eines Bildes besteht nicht zuletzt auch darin, wie viel Gedanken oder Emotionen es beim Betrachter hervorruft. Jedes Bild ist ein Spiegel, und jeder sieht darin, was er sehen
will, er bekommt so viele Fragen, wie er Antworten stellt.
Da alles möglich ist, ist es heutzutage völlig unmöglich , auf dem Gebiet der Kunst irgendeinen Skandal zu entfesseln.
Man hat das „Tafelbild“ totgesagt.
Aber ich bin ein optimistischer Mensch und schließlich wird der Mythos von dem Menschen, der einem anderen eine Geschichte erzählt, nicht so schnell verschwinden und die Malerei ist für mich die einfachste Art dieses zu tun.

Christiana von Knobelsdorf